MARKS TAGEBUCH

01.10.05 News von Mark email

Reise ins ungewisse...

So, jetzt bin ich schon beinahe drei Monate hier und aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, die Welt etwas zu entdecken (nicht das Chicago nichts mehr zu bieten hätte – ich bin mir sicher, auch nach 18 Monaten noch neues entdecken zu können – aber hat ja genau das einen gewissen Reiz, was man nicht in Reichweite hat...).
Nach langem überlegen und vielen Nachforschungen habe ich mich entschieden ein Land zu besuchen, dessen Name mir zu Zeit leider nicht einfällt. Damit ihr euch aber ein Bild machen könnt, gebe ich euch einige Hinweise:

- Wo es liegt
1. im alten Europa
2. ganz in der Nähe von Norwegen
3. Distanz: 2-3 tägige Flugreise entfernt von Amerika
4. ausserhalb von Amerika... was muss man da noch mehr wissen....

- Spezielles
1. nur Berge
2. immer schneeweiss und kalt
3. sehr sauber
4. sehr teuer
5. keine Kriminalität (abgesehen von verleugneten Holocaust Geldern)
6. Oktoberfest
7. Kuckucksuhren
8. anstatt ein Landeswappen zu besitzen, benützen sie einfach das zeichen für Emergency

- Die Bewohner:
1. sind alle blond und haben blaue Augen
2. trinken gerne Wein – ganz im Gegensatz zu den Amerikanern, da dies halt einfach eine europäische Eigenschaft ist...
3. Bier trinken sie eigentlich auch sehr gerne, aber unverständlicherweise solches mit Geschmack – wahrscheinlich ein „Budwiser Europe“
4. sind alle reich und jede Familie besitzt eine Bank
5. treiben viel sport und haben nicht so ein grosses Problem mit Übergewicht (hat mir auf jeden fall die übergewichtigste Mitarbeiterin im Hotel anvertraut)
6. brauchen mehr als die durchschnittlichen 20 Minuten um ein dreigänge Menue zu verspeisen
7. Die Frauen tragen den ganzen Tag ein Dirndel; also die landestypische Tracht
8. jodeln unter der Dusche
9. spielen alle ein und dasselbe Instrument; Alphorn

- Produkte
1. gaanz viel Käse, jedoch nur eine einzige Sorte (und man kann sie hier zu jedem Burger haben)
2. Schockolade
3. Fondue (nicht das die Amerikaner dies nicht kennen würden, jedoch wird das Fonduesett, welches hier jedes frisch verheiratetes Paar zur Hochzeit bekommt, auch tatsächlich...)
4. Armeemesser
5. Uhren
6. Louis Vitton Taschen – hmm... oder doch nicht? – auf jeden fall werden die in Europa hergestellt...

Hmm.. ich hoffe diese Angaben helfen euch weiter. Auf jeden Fall werde ich euch von meiner Entdeckungsreise erzählen und berichten, ob die oben genannten Beschreibungen auch zutreffen.....

07.09.05 News von Mark email

Nein nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen, ich lebe noch....

Da ich so langsam den Überblick bekomme möchte ich euch einige Ratschläge im Zusammenhang mit Hotels im Allgemeinen geben:

Was man nicht versuchen sollte:

1. Sein gemietetes Auto im Hotelparkaus stehen lassen, nach hause fliegen und davon ausgehen, dass irgendjemand ohne irgendeinen Grund dieses Auto zum Vermieter zurückbringt....

Die Moral der Geschichte:
- Die Hotelrechnung für eine Woche kam um vieles günstiger als die Automiete für ursprünglich zwei Tage...
- ...die Rechnung viel nach unglaublich vielen Rabatten auf 2’000$

2. Bei der Ankunft einer Rugbymanschaft, dem Wunsch eines Einzigen nachzukommen und davon ausgehen, dass die Anderen nicht folgen werden;

Was passierte:
60 Rubgyspieler kamen zur gleichen Zeit im Hotel an und sollten per Lift zu den reservierten Stockwerken gebracht werden. Einer der Spieler wollte nicht solange warten und fragte nach, ob es möglich wäre die Treppen zu nehmen (zum 6. Stock). Selbstverständlich kamen wir der Bitte nach und geleiteten ihn durch alle Hintertüren zu den Treppen.....
.....leider folgten ihm noch noch weitere 20 Spieler, ohne zu wissen wohin sie gingen.....

Die Moral der Geschichte:
- Rugbyspieler = dumm wie ein Schaf ?!

3. Sich als Security in einem Hotel (vor allem nicht in einem mit 24h Service) mit Arbeitskollegen zusammentun, ungefragt eine Party im Hotel organisieren und 10$ pro Eintritt verlangen (open bar – wer würde da nicht hingehen)

Was passierte:
- Einige Gäste riefen an wegen der Party, um zu wissen wo sie genau stattfindet --> Reception wusste bescheid, dass etwas im Gange war, ging jedoch davon aus, dass es in einer Suite stattfinden werde
- Um 1h Morgens vernahm der Restaurantmanager verdaechtige Geräusche aus dem Ballroom, sah nach und was sah er: ein perfekt – sogar mit VIP lounges – eingerichteter Club, in dem mehrere Hundert Gäste waren und hoteleigene Getraenke verkauft wurden

Die Moral der Geschichte:
- Die Polizei wurde gerufen
- Organisatoren wurden festgenommen und fristlos entlassen
- (das ist das Beste)
Gaeste reklamierten bei der Reception und wollten ihr Geld zurueck…

4. Dem amerikanischen Motto (je grösser desto besser) folge leisten, ohne an die Konsequenzen zu denken:
Hyatt möchte seine Gäste auf den bequemsten Betten schlafen lassen und hat aus diesem Grund eine Kampagne gestartet, um die besten Mattrazen zu kaufen. „Natürlich“ hängt der Komfort nur von der Grösse ab und aus diesem Grund mussten 50cm hohe Mattrazen her.

Die Moral der Geschichte
- Ein Stockwerk wurde beinahe überflutet, da ein Sprinkler mit einer Mattraze zerstört und ausgelöst wurde
- Die Mindestgrösse um in einem diesere neuen Betten zu übernachten beträgt 1.7m, da man sonst eine Leiter braucht, um hinaufzukommen
- Das ganze sieht lächerlich aus
- Da die Mattrazen auch ungeheuer schwer sind, musste die Anzahl Zimmer pro Housekeeper und Tag reduziert und so neues Personal engagiert werden

So, genug der guten Ratschläge...

30.07.05 News von Mark email

So, diesesmal hab ich mir einen noch besseren Platz ausgesucht, und der Kellner vom Starbucks ist mir mit seiner Anmache eh langsam auf den Geist gegangen... (andere Länder, andere Sitten.....meine Anziehungskraft auf die ... bleibt scheinbar gleich )...
Aus diesem Grund habe ich es mir nun auf der dachterasse von meinem Hochhaus bequem gemacht.....
Ein weiterer Grund dafür ist auch, dass mich jemand daran errinnert hat, was für temperaturen es hier im Winter hat: zwischen 9 und 0° Fahrenheit (was in Celsius so ungefähr -12 bis – 17°C macht.....Schlotter) und glücklicherweise nennt man diese Stadt nich umsonst „the windy city“, damit sich diese temeraturen noch um einiges kälter anfühlen.....
--> Sonne tanken für den Winter (ich mach das zwar im schatten, aber der Gedanke zählt...)

Hmm.. die frage ist nur, was ich denn sonst so erzählen könnte.. denn seit dem letzten Eintrag hab ich eigentlich nur gearbeitet (nee, ich will mich nicht beklagen...)...
....ah, ja: ich hab endlich die Möglichkeit gefunden, euch die Grösse dieser Stadt verständlich zu machen: Ich wohn im Norden der Stadt, wo das Wrigley Field (die Cups spielen hier) ist – man könnte das mit dem Niederdörfli in Zürich vergleichen. Arbeiten tu ich im Süden der Stadt, was in Zürich so Hardturm gegend sein könnte. - um zur Arbeit zu gehen, muss ich zuerst einen Bus nehmen, der mich zur Metro bringt, dann durch die ganze Stadt fahren und schliesslich einen weiteren Bus nehmen, der zum Hotel fährt. Das ganze dauert so in etwa 60 bis 80minuten.... oder ich nehm meine Inlines und fahr dem See entlang (echt schön, solange man nicht auf den Strassenlärm hört – ist ja nur ne 2*4 spurige strasse), dann ist man (mit meinem Tempo in 50minuten dort.... ) braucht dann aber wieder 10minuten weil man völlig verschwitzt ist....

... hmm... das war ja wieder ne interessante Story....

Also ich lass euch mal, bevor mir wieder eine interessante geschichte in den Sinn kommt....

26.07.05 News von Mark email

Ich glaub ich muss mich so langsam an den American und Boystown Way of Life gewöhnen; den ersten Schritt habe ich damit getan, dass ich diesen Eintrag im Starbucks - mit einem Cookie und einem „Grande Caffè Mocca“ als Unterstützung – geschrieben hab....

Vielleicht muss ich zwei details zu meinem letzten Eintrag hinzufügen:
• Die Gegend um das Hotel, vor allem Chinatown, ist während der Nacht am besten zu meiden, auch wenn man vorsichtig ist, ausser man möchte lebensgefährliche Bekanntschaften schliessen....
• Im Hotel sind sie nur solange grosszügig, bis das Hotel um 60 Zimmer überbucht ist:
Ich „durfte“ eine Nacht im Days Inn verbringen. Das Problem an der Sache ist nur, dass dieses Hotel auch so gut ist, wie sein Name klingt....

Ich hab jetzt meinen fest zugewiesenen Job im Hotel: Assistant Housekeeping Manager. Anfangs war ich sehr skeptisch gegenüber so einer Position, muss nun aber sagen, dass es sehr interessant und anspruchsvoll ist. Vor allem wenn man bedenk, dass das Hotel 800 Zimmer hat und ich alleine für das ganze Housekeeping Department und die Guest Requests verantwortlich bin (sie zum glück aber nicht ausführen muss )
..... ich bin mir sicher irgendwann weiss ich auch wie alles funktionieren sollte, denn das Training dauerte nur 2 Tage. Am dritten Trainingstag gab es einen Selbstmord im Hotel und an Training war nicht mehr zu denken... (ich hab selten soviele Polizisten auf einen Haufen gesehen....ich möcht ja nicht wissen, wie viele kommen, wenn jemand einen Mord begeht...).

Letzten Freitag durfte ich schon am ersten Managers Ausflug teilnehmen: Bootsfährtli um Chicago. Die Hauptattraktion war die Open-Bar und das Buffet (hmm.... jetzt weiss ich endlich wieso bei den Trainings immer darauf aufmerksam gemacht wird, dass der Alkoholkonsum bei solchen Ausfahrten nicht übertriben werden sollte....)

Die Wohnung haben wir gekriegt, und nach drei Wochen Hotelzimmer bin ich – unglaublicherweise – froh, endlich in einer eigenen Wohnung hausen zu dürfen.
Stellt euch vor; IKEA gibts auch hier... und jetzt auch in jedem Winkel meiner Wohnung; endlich hab ich auch mal eine Sultan Mattraze...
Damit ich mich auch wirklich zu Hause fühlen kann, haben die Vermieter sogar dafür gesorgt, dass der Abfluss wie in Montpreveyres verstopft ist. Leider haben sie’s zu gut gemeint, denn gestern morgen ist das Waschbecken überlaufen und das ganze Wasser hat den Teppich überflutet...

Meinen Mitbewohner Paul sehe ich zur Zeit – wenn überhaupt – jeweils nur bei der Arbeit. Er beginnt um 6.00h, ist um 15.30h fertig und ich arbeite von 14.00h bis um23.30h. Na ja, so ist wenigstens die Wohnung gut ausgelastet....

So, ich muss; mein Kaffee ist leer, der Cookie ist auch fertig gegessen und das Internet ist nicht gratis.....

PS:
da ich was hätte bezahlen müssen für das Internet im Starbucks, bin ich jetzt in meinem Highrise auf dem Roofdeck im 21 Stock und da hat doch tatsächlich jemand ungesichertes Internet ... und die Sicht ist auch noch phenomenal....

10.07.05 News von Mark email

Samstag 09/07/05

So, jetzt ist’s wohl höchste Zeit, etwas in mein „Tagebuch“ zu schreiben;
Wisst ihr wies ist 10h in einem Flugzeug eingepfercht zu sein und aufgetauten Food zu essen – schrecklich, nicht. Glücklicherweise bekam ich ein Upgrade für die Business Class: Extrem viel Platz, dann die schwierige Wahl zwischen Champagner, Bordeaux oder Lehmann und schlussendlich die Entscheidung was man zu den jeweiligen vier Gängen bestellen soll...

Seither logier ich bei meinem Arbeitgeber, dem Hyatt Regency McCormick Place in einem der 800 Zimmer, im 26. Floor mit einer unglaublichen Sicht auf Downtown Chicago und den Lake Michigan. Die sind hier echt nett zu zukünftigen Mitarbeitern (ich hoff mal, dass dies auch längerfristig sein wird); eimal pro Tag gratis Room Service oder Restaurant, gratis telefon (leider nur local calls), täglichen Housekeeping service und das wichtigste: einen ganzen Turkey für Tannks Giving

But what about Chicago;
Die Stadt ist echt cool; eine Grossstadt, aber doch nicht unpersönlich. Die ganze zeit gibts Konzerte, Festivals, Feuerwerk (na ja, vielleicht uebertreibensies auch etwas: jeden Mittwoch und Samstag) und Parties. Einige der Festivals sind vielleicht etwas speziell: Taste of Chicago. Was auf gut deutsch essen, trinken, essen und noch mehr essen bedeutet und dies zu überteuerten Preisen und den ganzen Tag lang...
Der Loop (Downtown) ist echt cool für Shopping und Pub crawls. Ausserhalb des Loops (vor allem im Norden) findet man all die coolen Restaurants, Bars und Nightclubs und ist die Gegend, wo man ein Appartment suchen sollte. Im Süden – wo das Hyatt steht – ist eine sehr spezielle Gegend; so langsam beginnen reichere Leute sich hier niederzulassen die Shops und Restaurants leider noch nicht, drum be careful at night...
Chicago ist – für eine amerikanische Stadt – echt gut erschlossen mit öffentlichen Verkehrsmitteln: „El“ die Metro und das Busnetz decken die ganze Stadt ab und das 24/7

Die Wohnungssuche dauerte (bis jetzt) nur zwei Tage und heute haben wir (ich und Paul - von einer Hotelfachschule in Toronto, ursprünglich aus Cayman Island) den Antrag für eine Wohnung in einem Hochhaus (13. Stock) mit super Sicht auf den See unterschrieben, ich hoff mal das dies klappt, denn die wäre einfach genial. Den Drogentest hab ich scheinbar bestanden, denn sonst wär ich wahrscheinlich schon wieder zurückgeschickt worden.

Die letzten zwei Tage haben wir damit verbracht, amerikanische Introductionvideos für Standard operating procedures anzuschauen und administratives Zeugs zu erledigen. Jetzt muss ich nur noch auf meine Social Security Number warten, denn ohne die kann man hier weder ein handy kaufen noch sonst irgend etwas unterschreiben.
Übermorgen muss ich wohl oder übel mein „Tourist“ T-Shirt mit meinem Anzug tauschen...

Also, das wärs fürs erste. Ich hoff auf jeden Fall, euch bald hier zu sehen – Chicago ist echt ne Reise wert und das Apartment wär auf jeden Fall gross genug